Die Leser von der LinuxUser Zeitschrift haben derzeit einen schlechten Eindruck von Vista. Jedenfalls wenn sie das
Editorial aus dem LinuxUser 12/2006 gelesen haben.
So steht dort zum Beispiel:
Mit der Benutzung von Windows Vista stimmt man zu, dass Microsoft via "Windows Defender" ohne jede Nachfrage "potenziell unerwünschte Software" vom Rechner entfernt, auch wenn dadurch andere Software auf dem Computer nicht mehr funktioniert oder deren Lizenzbestimmungen verletzt werden. Das kann durchaus auch Software betreffen, die vom Benutzer gar nicht unerwünscht ist, räumt Microsoft unumwunden ein (EULA, Punkt 6).
oh ha - das klingt schonmal böse. Microsoft soll also die absolute Kontrolle über den Rechner haben und wild wüten können?
Nun ja, nicht wirklich - wenn man sich mal die Eula anguckt, entsteht sofort ein anderes Bild:
POTENZIELL UNERWÜNSCHTE SOFTWARE. Wenn es aktiviert ist, sucht Windows Defender auf Ihrem Computer nach „Spyware“, „Adware“ und anderer potenziell unerwünschter Software. Wird potenziell unerwünschte Software gefunden, fragt die Software Sie, ob Sie sie ignorieren, deaktivieren (in Quarantäne verschieben) oder entfernen möchten. Jede potenziell unerwünschte Software mit dem Schweregrad „hoch“ oder „schwerwiegend“ wird nach dem Scanvorgang automatisch entfernt, sofern Sie die Standardeinstellung nicht ändern. Das Entfernen oder Deaktivieren von potenziell unerwünschter Software kann dazu führen, dass
• andere Software auf Ihrem Computer die Funktion einstellt oder
• Sie eine Lizenz zur Verwendung anderer Software auf Ihrem Computer verletzen.
Durch das Verwenden dieser Software ist es möglich, dass Sie auch Software entfernen oder deaktivieren, bei der es sich nicht um potenziell unerwünschte Software handelt.
na ja, das klingt ja schon viel besser. Eine meiner Meinung nach für den Standardbenutzer sinnvolle Einstellung, aber der Profi hat die Möglichkeit alles anzupassen. Außerdem muss der Windows Defender dafür aktiviert sein.
Wenn man sich einen Virenscanner installiert, dürfte man ähnliche Klauseln erwarten können.
Ein weiterer Punkt der genannt wird, ist die angebliche Spionage seitens Microsoft:
Daneben soll sich Vista generell regelmäßig mit Microsoft verbinden, ohne im Einzelfall den Benutzer auch nur davon zu unterrichten, und Informationen über den PC und die installierte Software übermitteln. (EULA, Punkt 7)
Punkt 7 sind "Internetbasierte Dienste" - dort steht:
Die nachfolgend und in den Datenschutzbedingungen von Windows Vista beschriebenen Features der Software stellen über das Internet eine Verbindung mit Computersystemen von Microsoft oder von Serviceprovidern her. In einigen Fällen erhalten Sie keinen gesonderten Hinweis, wenn die Verbindung hergestellt wird. Sie können diese Features abschalten oder nicht verwenden.
Was ist so ein "Internetbasierter Dienst"? Nun ja, es ist beispielsweise einfach nur die "Automatische Aktualisierung von Stammzertifikaten", "Windows-Updatefeature" wenn ich ein neues Gerät anschließe oder sehr simpel der "Windows-Zeitdienst"..
Alle Internetdienste sind unter Punkt 7 aufgelistet und erklärt.
D.h. der Chefredakteur von LinuxUser will ernsthaft, dass Windows mich jedesmal fragt, wenn mein Windows die Systemuhrzeit stellen soll?
Dass die ganzen Dienste freiwillig sind und abgeschaltet bzw nicht verwendet werden können wird auch nicht erwähnt..
Bleibt noch ein Punkt, wo ich zumindest teilweise zustimmen muss: die Aktivierung von Windows ist wirklich ein Ärgernis. Microsoft versucht damit weiter gegen die "Raubkopierer" zu kämpfen, aber der Dumme ist am Ende der normale, zahlende Kunde.
Zwar erwarte ich in einer Linux-Zeitschrift keine Lobpreisungen von Windows Vista, aber ein wenig auf dem Boden bleiben und sich an die Tatsachen halten wäre in meinen Augen angemessen.